10. Mai 2010 | Keine Kommentare | Menschen
Dass der Schönheitswahn kein Phänomen der Neuzeit ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Im alten China war es beispielsweise Tradition, jungen Mädchen die Füsse abzubinden, damit sie möglichst klein blieben. Dieser verkrüppelte Fuss wurde dann Lotus- oder Lilienfuss genannt. Es galt als Zeichen des Wohlstandes, denn nur arme Bauerntöchter, welche zu Feldarbeit gebraucht wurden, hatten ungeschnürte Füsse.
Natürlich kann ein Fuss nicht einfach so abgebunden werden. Die Prozedur die zu den Lotusfüssen führte, war langwierig und sehr schmerzhaft. Im Alter zwischen fünf und sieben Jahren begann man damit. Zunächst wurden die Füsse in eine Flüssigkeit aus Kräutern und Tierblut getaucht. Die Zehennägel wurden ganz kurz geschnitten, damit das Risiko des Einwachsens von Nägeln gemindert werden konnte. Nachdem man die Füsse massiert hatte, brach man die Zehen mit einem Stein und band sie ausser dem Grossen unter die Fusssohle. Alle zwei Tage wurden die Bandagen erneuert, damit sich der Fuss „formen“ konnte.
Nach einer „erfolgreichen“ Bandagierung war es den Mädchen und Frauen nicht mehr möglich weite Strecken zu gehen. Das Beste was einem bei dieser Prozedur passieren konnte, war das abstreben des Fusses, das dies weitere Schmerzen verhinderte. Oftmals wurde dies durch beigeben von Porzellanscherben und Würmern gefördert.

(Quelle: www.wikipedia.org)
Der damaligen Zeit entsprechend hatte die Frau dem Mann untergeordnet zu sein. Sie sollte nach der Heirat auch möglichst wenig das Haus verlassen. Durch ihre eingeschränkte Bewegungsmöglichkeit, war dies gewährleistet. Reichere Frauen liessen sich in Sänften umhertragen.
Kleine Füsse galten erotisch, der Gang der Frauen ähnelt dem den man auch auf Stöckelschuhen beobachten kann. Die wippenden Hüften sollten die Oberschenkel stärken und die Vagina verengen.
Mit dem zunehmendem Bedarf von Arbeitskräften durch die Industrialisierung, geriet auch der Brauch des Füssebindens immer mehr in Verruf. 1911 verbot die Republik China das Abbinden. Bis 1930 wurde die Tradition aber mit Abnehmender Tendenz weitergeführt. Unter Mao Zedong wurden Frauen mit Lotusfüssen dann auch bestraft.
1988 schloss die letzte Fabrik, die die Spezialschuhe für die Frauen mit Lotusfüssen herstellte. Dennoch kann man noch heute ältere Frauen sehen, welchen die Füsse abgebunden wurden.


(Quelle beider Bilder: http://fareus.wordpress.com/2009/06/30/das-leiden-der-frauen-china/)