07. Juni 2010 | Keine Kommentare | Krankheit, Menschen
Es gibt Krankheitsbilder die habe eine lange Geschichte hinter sich. Die meisten davon sind spannend und einige auch aussergewöhnlich. Hysterie gehört zu diesen Krankheiten und gerade wegen dieses Hintergrundes wird heute von der histrionischen Persönlichkeitsstörung bzw. dissoziative Störung gesprochen.
Hysterie kommt vom altgriechischen Wort Hyster und bedeutet Gebärmutter. Schon hierbei zeigt sich, dass die allgemeine Meinung war, dass nur Frauen hiervon betroffen sein könnten.
Eine histrionische Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch das Geltungsbedürfnis der Betroffenen. Es wird sehr stark nach Annerkennung gestrebt, obschon man immer das Gefühl hat, dass diese Menschen auf Abstand bleiben. Psychosomatische Symptome sind auch bekannt.
Kaum eine psychische Erkrankung ist solange bekannt wie die Hysterie. Ein Papyrus aus dem Jahre 1900 vor Christus beschrieb sie bereits. Auch Hippokrates ging seinerzeit dieser Störung nach. Wie erwähnt ging man damals davon aus, dass nur Frauen davon betroffen sein können. Das lag daran, dass man dachte dass die Gebärmutter, wenn ein Kinderwunsch unerfüllt blieb oder die Frau sexuell unbefriedigt war, auf Wanderschaft durch den Körper ging und so die Organe in Unordnung brachte.
Im Mittelalter wurde die Hysterie als Zeichen des Teufels und der Besessenheit gedeutet. Erstmals trat hier der Begriff der Massenhysterie auf, man ging davon aus, dass man von ihr angesteckt werden konnte. Paracelsus (1493 – 1541) brachte die Hysterie wieder in den medizinischen Kontext. Bereits 1618 stellte Lepois fest, dass sie auch bei Kindern und Männer auftrat, er wurde jedoch kaum beachtet.
Im 19. Jahrhundert und im den Anfängen des 20. wurde dann eine Behandlungsmöglichkeit entdeckt, die unmittelbar zur Erfindung des Vibrators führte. Frauen wurden von den Ärzten manuell an den Genitalien massiert, damit sie zu dem so genannten hysterischen Paroxsysmus (sprich zum Orgasmus) kamen. Es heisst, dass die Behandlung dermassen beliebt war, dass die Ärzte bald auf andere Möglichkeiten der Stimulation auswichen. So wurden Frauen mit Wasserstrahlen, Hydrotherapie, stimuliert, ehe der erste mechanische Vibrator erfunden wurde.
Dieser war jedoch so gross, dass er nur in Arztpraxen verwendet werden konnte und so war der Schritt nicht mehr weit zum Handvibrator, der 1900 in der Pariser Expo erstmals im grösseren Stile ausgestellt wurde. Lange wurden Vibratoren als nützliche Verspannungshelfer in Frauenzeitschriften angeboten (daran mag ich mich sogar noch erinnern). Das folgende Bild zeigt einen Handvibrator aus dem Jahre 1902.

(Quelle: http://www.intimatemedicine.de/sex-sind-menschen/vibratoren-wurden-einst-verwendet-um-hysterische-frauen-zu-behandeln/)