Oliver
29. November 2010 | Keine Kommentare | Tiere
Eine traurige Geschichte ist die des Schimpansen Olivers, der einfach nur das Pech hatte, etwas anders als seine Artgenossen auszusehen. Um 1959 geboren, wurde er vom Dressurenpaar Janet und Frank Burger in Kongo gekauft. Von Anfang an war er nur an Menschen und nicht an seine Artgenossen gewöhnt.
1976 begann dann der Medienhype um Oliver. Sein menschliches Aussehen, er hatte einen nur wenig hervorstehenden Mund, eine Glatze und spitze Ohren, führte zum Gerücht, dass er der Missing Link, das fehlende Glied zwischen Mensch und Schimpanse sei.
Eine vorläufige DNA Analyse ergab das er wahrscheinlich 47 Chromosome hätte und somit tatsächlich zwischen Mensch (46) und Schimpanse (48) stehen würde. Die komplette Analyse ergab dann jedoch das Oliver ein ganz normaler Affe ist und sich in genetischer Hinsicht nicht von seinen Artgenossen unterschied.
Das Leben das Oliver allerdings zu führen hatte, war kein Artgerechtes. Er trank Kaffee und sah gern fern, man hatte ihn vermenschlicht. Es gibt einige dieser Beispiele, wo der Mensch das Tier seiner Natur entfremdet. Oliver wurde zu Auftritten in der ganzen Welt geschleppt, immer wieder ins Rampenlicht gezerrt.
Als „Beweis“ für seine Andersartigkeit wurde auch angeführt, dass Oliver Interesse an seiner Trainerin zeigte. Manchmal hiess es sogar, er habe versucht sie zu vergewaltigen. Das das sexuelle Interesse an einer Frau auch daher rühren könnte, dass er nur an Menschen gewöhnt war, kam ihnen wohl nicht in den Sinn. Auffallend schnell soll Oliver auch auf zwei Beinen gelaufen sein und dabei ein Geschick an den Tag gelegt haben, dass anderen Schimpansen verwehrt blieb.
Nachdem das Interesse abgeflaut war, wurde Oliver mehrmals verkauft. Zum Schluss landete er in einem Versuchslabor, wo er sieben Jahre einsam in einem Käfig verbringen musste.
Zum Glück kam 1998 die Erlösung für den geplagten Schimpansen. Er wurde im Tierasyl Primarily Primates aufgenommen, wo er zum ersten Mal seit langem klettern durfte. Noch immer lebt Oliver dort, auch wenn er mittlerweile fast blind ist. Nach mehrmaligen Versuchen ihn in eine Gruppe zu integrieren, lebt der Schimpanse nun mit einem Artgenossen zusammen.



